Operation Gomorrha
Operation Gomorrha war der militärische Codename für eine Serie von Luftangriffen, die von der britischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg beginnend Ende Juli 1943 auf Hamburg ausgeführt wurden. Es waren die damals schwersten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges. Befohlen wurden diese Angriffe von Luftmarschall Arthur Harris, dem Oberbefehlshaber des Britischen Bomber-Command.
Namensgebung
Im Alten Testament galten die Städte Sodom und Gomorrha als die Städte der Sünder und Verbrecher, die Gott mit Regen aus Feuer und Schwefel bis auf die Familie Lot vollständig vernichtete.
» Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen“
Vorgeschichte
Den Luftangriffen ging eine Absprache zwischen den Westalliierten und Stalin voraus. Stalin hatte auf einer zweiten Front im Westen von Deutschland bestanden. Die Westmächte wollten diesen Angriff mit Bodentruppen allerdings noch nicht einleiten und hatten als „Kompromiss“ die Bombardierung deutscher Städte angeboten. Die zweite Front wurde erst mit der Operation Overlord am 6. Juni 1944 eröffnet.
Voraussetzung für die Operation Gomorrha waren die von den Alliierten erstmals eingesetzten Täuschungstechniken (Codename Windows) gegen die Radaranlagen des deutschen Luftverteidigungssystems. Mit Stanniolstreifen, die in großen Massen abgeworfen wurden und ein überdimensionales Radarecho erzeugten, konnten die deutsche Radaranlagen nahezu wirkungslos gemacht werden.
Das Bombardement
Beginn
Die Angriffe begannen am 24. Juli 1943 mit der Bombardierung durch 791 britische Bomber. In den nachfolgenden Tagen griffen die Amerikaner mit 122 Bombern vom Typ Flying Fortress (Fliegende Festung) an, und störten somit die angelaufenen Bergungsarbeiten. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli gipfelten die Angriffe und lösten einen Feuersturm aus, den es in einem solchen Ausmaß bisher noch nie gegeben hat. Der Feuersturm vernichtete große Teile im Osten der Stadt, tötete ca. 35.000 - 45.000 Menschen und machte eine Million Menschen obdachlos. Die genaue Zahl der Toten ließ sich nie ermitteln, da viele Opfer vollständig zu Asche verbrannten.
Es traf vor allem die Stadtteile Rothenburgsort und Hammerbrook völlig unerwartet. Da die Leichen nicht schnell beseitigt werden konnten, wurde das Gebiet des Hammerbrook abgeriegelt, um wegen der erwarteten Seuchengefahr ein Betreten zu verhindern.
Evakuierung
Es zeigte sich, das die vorhandenen Bunker und Schutzräume völlig unzureichend waren. Daher wurde eine Evakuierung eingeleitet, die in einigen Stadtteilen noch rechtzeitig durchgeführt werden konnte, z.B. in Barmbek. Alle Bewohner, die nicht unbedingt in der Rüstungsproduktion benötigt waren, mussten die Stadt verlassen. Kinder wurden weitestgehend aus der Stadt auf das Land verschickt (Kinderlandverschickung), um sie in Sicherheit zu bringen.
Angriffstechnik
Zur Bombardierung wurde eine geeignete Mischung von Spreng- und Brandbomben verwendet. Die Sprengbomben deckten dabei durch ihre enorme Druckwirkung gezielt die Dächer der Häuser ab, damit das Phosphor der nachfallenden Brandbomben direkt in die Wohnungen und Treppenhäuser gelangen konnte. Die fast ausschließlich aus Holz bestehenden Treppenhäuser übertrugen die Flammen der Zimmerbrände in die unteren Geschosse und sorgten für das vollständige Ausbrennen der Gebäude.
Die Angriffe beschränkten sich immer auf einen Sektor der Stadt. Zentraler Ausgangspunkt war der 147,3 m große Turm der Nikolaikirche, deren Ruine nicht wieder aufgebaut wurde und heute als Mahnmal und Dauerausstellung zur Operation Gomorrha dient.
Um den gefürcheten Feuersturm auszulösen, wurden vor allem die Ränder des Sektors bombardiert. Der dadurch entstehende Wind auf das Zentrum des Sektors sorgt für die flächendeckende Zerstörung.
An dem Tag, als der Sektor mit den Stadtteilen Eppendorf, Winterhude und Hoheluft angriffen werden sollte, waren Gewitterwolken am Himmel. Um den Bestand an Bombern nicht zu gefährden, wurde der Angriff abgesagt. Die Stadtteile blieben weitestgehend unzerstört.
Die gebauten Bunker zum Schutz der Bevölkerung konnten zu dieser Endphase des Krieges nur einen bedingten Schutz bieten, da während des Krieges immer größere Bomben hergestellt wurden, denen die Bunker nicht standhalten konnten. Auch führte der Sauerstoffbedarf der Brände zur Erstickung der Eingeschlossenen.
Auswirkungen
Eine Zeitzeugin aus Hamburg beschreibt ihre Erlebnisse zum allgemeinen Leben während des Bombenkrieges wie folgt:
Des Weiteren erinnert die Zeugin über alliierte Flugblätter:
Nachwirkungen bis heute
Die Folgen der Operation Gomorrha kann man heute noch sehen. So sind in dem damals vollständig zerstörten Stadtteil Hammerbrook, vorher ein überwiegend von Hafenarbeitern bewohntes Viertel, praktisch keine Wohngebäude und Altbauten mehr vorhanden. Stattdessen findet man hier fast ausschließlich Gewerbebauten, gläserne Bürohochhäuser und Autohändler ("City Süd").
Geht man durch die östlichen Hamburger Wohnviertel Barmbek, Borgfelde, Dulsberg, Eilbek, Rothenburgsort und Wandsbek, so findet man an unzähligen Nachkriegsbauten eine Tontafel mit dem Hamburger Wappen und der Inschrift "Zerstört 1943 - 1956 aufgebaut". Hierbei ist die Jahreszahl 1956 ein Beispiel, die letzten Bombenbrachen der Operation Gomorrha wurden erst Ende der sechziger Jahre beseitigt.
Vor dem Einkaufszentrum an der "Hamburger Straße" befindet sich ein Denkmal, das an die über 300 Opfer erinnert, die sich im nahen Kaufhaus in einen Schutzraum befanden, jedoch hierdrin erstickten, da der Feuersturm allen Sauerstoff aufzehrte. Das Denkmal befindet auf einer Verkehrsinsel einer vielbefahrenen Kreuzung.
Auf dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich das Massengrab der Bombenopfer mit dem Mahnmal von Gerhard Marcks. Der Öjendorfer Park, eine hügelige Landschaft im Osten Hamburgs im Stadtteil Billstedt, ist auf den abgeladenen Kriegstrümmern entstanden.
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